
Der sehr interessante Artikel “Orchideenzucht” von Lambert Wiesing (sein Buch „Luxus“ ist im Suhrkamp Verlag erschienen) ist nicht nur eine reizvolle Betrachtung des Phänoms “Luxus” und seine Lektüre unbedingt zu empfehlen, sondern hat mich auch zum Nachdenken zum Thema Achtsamkeit und die Verbindung zu Luxus angeregt.
Komfort ist im Gegensatz zum Luxus ein ausschließlich sinnliches Phänomen. Es besagt nur, dass etwas angenehm ist. Um Komfort erleben zu können, muss man daher auch nicht gebildet sein. Man muss über die komfortable Sache jedenfalls nichts wissen, man muss nicht über sie nachdenken oder sie sonst wie beurteilen. Doch genau eine solche vorgängige Reflexionstätigkeit über das, womit man es zu tun hat, ist die Grundlage, aus der ein Erlebnis entstehen kann, das weder etwas mit Komfort noch etwas mit Protz zu tun hat, weil es eine spezifische Luxuserfahrung ist.
https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2019/qualitaet/orchideenzucht
Um Luxus oder eine luxuriöse Erfahrung erleben zu können, muss ich mich bewusst dafür entscheiden und die damit verbundenen Sinneseindrücke bewusst wahrnehmen. Die beste Flasche Champagner wird nicht zu einem luxuriösem Erlebnis führen, wenn ich sie, mit etwas anderem beschäftigt, achtlos hinunter kippe. Weder der Preis noch der exzellente Geschmack können also letzendlich für meinen Luxus garantieren, wenn ich mir nicht selbst die Mühe mache, für den angemessenen Rahmen und vor allem die angemesse Aufmerksamkeit zu sorgen.
Luxus ist ein Phänomen der ästhetischen Selbsterfahrung
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Wir bauchen also einerseits Achtsamkeit, um Luxus wahrnehmen zu können, andererseits führt Achtsamkeit zu mehr Luxus im Leben. Wenngleich Achtsamkeit noch immer häufig in die Esotherikecke geschoben wird, bin ich der Meinung, dass Achtsamkeit uns hilft, Luxus als solchen wahrnehmen zu können und gleichzeitig unsere gesteigerte Aufmerksamkeit zu vermehrten Luxuserfahrungen führt. Weil wir unser Leben bewusster wahrnehmen und weil wir uns besser kennenlernen und erfahren, was sich für uns persönlich luxuriös anfühlt. Und das können auch bewusst geschaffene Erlebnisse im Alltag sein. Eine gute Praline achtsam genossen, kann ein wunderbar luxuriöses Erlebnis, weil unsere Aufmerksamkeit mit der Qualität der Schokolade kombiniert wird. Versuchen Sie mal billge Schokolade aus dem Discounter achtsam zu verkosten – viel Glück!
Luxus, das ist all das, womit man sich gegen die reine Zweckmäßigkeit auflehnen kann.
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Um Luxus erleben zu können, brauche ich meine intellektuellen und meine sinnlichen Fähigkeiten und muss mir darüber im Klaren sein, was ich erleben möchte und was mir gefällt. Ein Haus kann sehr funktionnel gestaltet sein, wir uns darin aber nicht wohlfühlen, weil es weder ästhetisch noch sinnlich ansprechend ist. Und genauso wenig führt eine tolle Ästhetik automatisch zu einem luxuriösen Erlebnis, wenn die Funktionalität fehlt und die erfahrenen Sinneseindrücke nicht zu unseren Wünschen passen.
Wir müssen also Achtsamkeit in unserem Leben kultivieren, um uns selbst gut genug zu kennen, um zu wissen, was Luxus für uns persönlich bedeutet, und um eine luxuriöse Erfahrung wahrnehmen und erleben zu können.